Was ist das Rhizom 115?

 

Begriff

Der Begriff des Rhizoms ist in erster Linie der Botanik entlehnt. In diesem Sinne beschreibt es eine Sprossachse von zumeist krautigen Pflanzen, die sich für die Außenwelt zunächst unsichtbar im Verborgenen unter der Erde ausbreitet. Einige dieser Rhizome werden sehr alt. Die allgegenwärtigen Knospen sind potenzielle Stellen für die Weiterentwicklung und ermöglichen ein unendliches Weiterwachsen. Somit wird es Stück für Stück große Flächen vereinnahmen. Die Knospen ermöglichen außerdem auch den Kontakt zum Oberirdischen, da aus ihnen auch die oberirdischen Laub- und Blütentriebe, die sichtbaren Früchte, erwachsen. Wird es gespalten, so entwickeln sich die gespaltenen Teile parallel zueinander aber mit gemeinsamer Idee weiter. Stehen schwere Zeiten an so dient das Rhizom als Nährstoffspeicher und ermöglicht es auch diese zu überdauern.

Nach der Philosophie von Deleuze und Guattari dient die Metapher des Rhizom als postmodernes Modell der Wissensorganisation und Weltbeschreibung, welches nicht mehr auf Hierarchien setzt (Metapher: Baum), sondern diese Ordnungsstrukturen durch Querverbindungen unterschiedlicher Hierarchieebenen untergräbt, eine Öffnung des Systems erzwingt und damit Veränderungen zulässt.

 

Analogie

Selten gab es so viele Möglichkeiten und so großes Potenzial wie heute, unterschiedliche Gedankenwelten auszuleben, zusammenzuführen und in Initiativen und Kollektive zu übersetzen.
Wir sind eine dieser Übersetzungen und wollen an der gesellschaftlichen Veränderung und Weiterentwicklung aktiv teilnehmen, Vorstellungen und Umsetzungen für die Zukunft unseres Planeten und seines komplexen Ökosystems entwerfen.
Als Einzelner ist das kaum zu erreichen. Daher wollen wir uns gemeinschaftlich vernetzen, ausbreiten, und ein Reservoir für Motivation, Inspiration und vielversprechende Ideen bilden. Aus diesem Reservoir wollen wir schöpfen, um gemeinsam Größeres zu erreichen, als die einzelnen Fähigkeiten für sich genommen es schaffen könnten.
Anlehnend an die Idee des biologischen und philosophischen Rhizoms organisieren wir uns in einer horizontalen, und explizit nicht hierarchischen Struktur, wollen uns sowohl vereinsintern als auch vereinsextern effektiv vernetzen und ein funktionierendes Konzept für eine autonome Selbstverwaltung gestalten.

Konkret sind wir ein Haufen von Menschen, der sich aus unterschiedlichsten Richtungen und vielfältigen Gründen zusammengeschlossen hat, und sich dem Erleben und Ausleben von Kunst, Kultur, Handwerk, Politik und sozialen & gesellschaftlichen Themen widmet, sich austauscht und diesbezüglich neue Konzepte erprobt, um einen gewissen Mehrwert für die regionale und im Optimalfall auch überregionale Gemeinschaft zu schöpfen.

Was wir machen

Wir versuchen unser Engagement lokal und regional zu organisieren und versuchen unsere Arbeit und freie Gestaltung in ein weitreichenderes Spektrum einzubetten.
Dazu wollen wir uns mit anderen Projekten, Organisationen und Personen vernetzen und zusammenarbeiten, um auch größere Ideen verwirklichen zu können.
Zunächst geht es aber erst einmal darum einen Freiraum und Vernetzungspunkt zu schaffen, sowie den notwendigen Rückhalt zu geben, um Ideen und Projekte umsetzen zu können. Dazu stellen wir Räumlichkeiten bereit, die teilweise auch von Außenstehenden und für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt werden – momentan z. B. Theaterproben, Studienraum, Konzerte, Ausstellungen, Filmvorführungen, Werkeln, etc.
Themen und Gedanken, die im Moment im Rhizom kursieren gehen konzeptuell u.a. in Richtung Vortragsreihen, Workshops, Fähigkeits- und Kulturaustausch. Wir beschäftigen uns mit unterschiedlichsten Subkulturen, Gegenbewegungen und Denkströmungen, wobei wir versuchen unsere Ideen jeweils für den Anderen greif- und erlebbar zu machen und zu kontextualisieren.
Es geht darum unterschiedlichste Themen durch Bildung und Informationverbreitung und Verarbeitung in das Bewusstsein der Menschen zu bringen.
Im Folgenden sind einige konkrete Umsetzungen vorgestellt:

 

Infrastruktur
Da der Rhizom 115 e.V. eine noch junge Gemeinschaft ist, sind noch viele infrastrukturelle Baustellen zu bearbeiten. Dazu gehört unter anderem die konzeptionelle Gestaltung der Räumlichkeiten für eine multifunktionale Nutzung, die digitale Infrastruktur (digitaler Auftritt, Kommunikations- und Organisationsmedien) und das Anwenden von strukturierten Arbeitsweisen, um Ideen erfolgreich umsetzen zu können.
Kino
In regelmäßigen Abständen werden in unseren Räumlichkeiten Filme gezeigt, deren Auswahl sich meist an einem übergeordneten Thema orientieren.
Werkstatt
Die Räumlichkeiten des Rhizoms beherbergen eine kleine aber feine Werkstatt zum Basteln und Werkeln, in der so alles Mögliche möglich gemacht werden kann, solange es nicht an Improvisationstalent fehlt.
Offenes Wohnzimmer
Das offene Wohnzimmer gibt den Mitgliedern und Außenstehenden die Möglichkeit sich ernsthafter mit Ideen und deren Umsetzungen zu beschäftigen, an bestehehenden Projekten weiterzufeilen oder einfach zu hören wie es so um andere Projekte steht.
Bar
Der ebenfalls regelmäßige Barabend ist ein in lockerer und gemütlicher Atmosphäre gehaltener Zeitpunkt, das Rhizom und seine Freunde kennenzulernen. Im Allgemeinen kommt es hier zum Austausch von Meinungen, Ideen, Kontaktdaten, und hier begründet sich nicht selten eine grandiose Idee.
Veranstaltungen
Das Rhizom ist sowohl selbst Veranstalter als auch an Veranstaltungen befreundeter Initiativen beteiligt. Zum Angebot zählen Vorträge, kleine Konzerte und Ausstellungen, und unterschiedliche andere Events.